Alle 13 Rotenburger Bürgermeister fordern absolutes Fracking-Verbot

Bohrstelle Bötersen Z11
Bohrstelle Bötersen Z11
Erdbeben, Bodenkontaminationen mit Kohlenwasserstoffen und Schwermetallen aus der Erdgasproduktion, Luftverschmutzung durch Abfackeln, drohende Grundwasserverschmutzung durch Milliarden Liter verpressten flüssigen Mülls – die Bürgermeister im Landkreis Rotenburg appellieren an Ministerpräsident Weil, sich einem Fracking-Verbot nicht in den Weg zu stellen.

Erhebliche Störfälle in der Vergangenheit, Erderschütterungen mit großen Sachschäden, folgenschwere Bodenverunreinigungen und Abfackelungen mit gesundheitsgefährdenden Emissionen, mittelfristig hochwahrscheinliche Grundwasserverunreinigungen durch Milliarden Liter im Untergrund verpresstes Giftwasser und die dramatisch erhöhte Blutkrebszahl im Osten des Landkreises – alle 13 Bürgermeister im Landkreis Rotenburg/Wümme haben jetzt in einem Brief an ihren Ministerpräsidenten Stefan Weil große Sorge und harsche Kritik am Fracking in ihrer Heimat zum Ausdruck gebracht. Das berichtet heute die Rotenburger Kreiszeitung.

Die von der Bundesregierung vorgelegten Gesetz- und Verordnungsänderungsentwürfe bezeichnen sie als unzureichend, um bekannte Risiken des Fracking einzudämmen und Schäden, wie sie in der Vergangenheit schon aufgetreten sind, in Zukunft zu verhindern.

Schulter an Schulter fordern alle 13 Bürgermeister Rotenburgs ein ausnahmsloses Fracking-Verbot in jeglichen Lagerstätten und ein Verbot der Verklappung der flüssigen Abfälle aus der Erdgasproduktion im Untergrund. Die Aufklärung der Ursache für die vielen Krebserkrankungen in Bothel, ein intensives Monitoring von Immissionen in Wasser, Luft und Boden sowie eine Umkehr der Beweislast bei Bergschäden sind weitere knackige Forderungen in dem langen Katalog der Bürgermeister, der die Landesregierung erreichte.

Niedersachsen trägt traditionell über 90 Prozent zur inländischen Erdgasproduktion bei. Von einem Fracking-Verbot wäre rund ein Drittel dieser Produktion betroffen. Einige politische Entscheidungsträger in Niedersachsen tun sich schwer, ein absolutes Fracking-Verbot mitzutragen. Ihr Argument: Verringerte Einnahmen von Förderzinsen (etwa 2 bis 3 Hunderttausend Euro pro Jahr) und Verlust von Arbeitsplätzen (angeblich einige Tausend). Unterstützt werden diese Politiker von der Industrielobby, wie aktuell vom Lamento der BASF-Tochter Wintershall:
Schiefergasdiskussion blockiert weiterhin konventionelle Erdgasförderung in Deutschland.

Zwar wird die Gasindustrie zur „Sanierung“ von Schäden haftbar gemacht, die sie nachweislich verursacht hat, z. B. nach den über 44 (bekannt gewordenen) Austritten von Lagerstättenwasser in die Umwelt, die seit Anfang 2012 allein in Niedersachsen dokumentiert sind. Doch schon bei Sachschäden durch Erdbeben in Gasfördergebieten sieht das anders aus: So unterlag beispielsweise ein geschädigter Eigentümer, dessen Haus von einer gefrackten Bohrung unterbohrt worden war und bei dem Beben in Langwedel, Nds., (im Juni 2012) zu Schaden kam, vor Gericht und bleibt bis heute auf dem Schaden sitzen. Die bislang noch nicht bezifferbaren, weil noch gar nicht vollständig bekannten, schädlichen Auswirkungen der Gasförderung auf die Umwelt, die Natur und die menschliche Gesundheit werden wieder, wie bei anderen Umweltkatastrophen, zu Lasten der Allgemeinheit gehen. Zumindest solange, bis der Gesetzgeber dem einen Riegel vorschiebt und konsequente Ursachenbekämpfung anordnet – unter anderem durch Erlass eines konsequenten Fracking-Verbots für die Öl- und Gasindustrie und durch eine lückenlose Aufklärung und Behebung bereits entstandener Schäden – soweit dies eben möglich ist.

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