Bürgerinitiative erwirkt Stopp der Deschkaer Kupferbohrung

»Bio-Fracking Nein Danke«: Eins von zahllosen Protestplakaten zwischen Weißwasser und Görlitz
Eins von zahllosen Protestplakaten zwischen Weißwasser und Görlitz
Einen Teilerfolg hat die »Lausitzer Bürgerinitiative gegen Rohstoff-Piraterie« erzielt: Ihren Widerspruch gegen die Tiefbohrung zur Erkundung der Kupfer-Lagerstätte bei Deschka hat das zuständige Oberbergamt angenommen und einen Bau-Stopp angeordnet. In ihrem Bescheid an die Initiative informiert die Behörde: »Aufgrund der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs (§ 80 Abs. 1 Satz 1 VwGO) wurde die KGHM Kupfer AG darüber informiert, dass die mit dem Hauptbetriebsplan zugelassenen Arbeiten vorerst nicht ausgeführt werden dürfen.«

Auszug aus dem Bescheid des OBA an die Bürgerinitiative vom 15. April 2015
Auszug aus dem Bescheid des OBA an die Bürgerinitiative vom 15. April 2015
Gegen die Bohrung hatte die Bürgerinitative Ende März einen schriftlichen, begründeten Widerspruch von zehn Seiten Umfang bei der Behörde eingelegt und über einen nachrichtlichen Verteiler rund 40 weitere Adressaten informiert, darunter Behördenmitarbeiter, Angehörige der Presse und den sächsischen Ministerpräsidenten Tillich. Kernpunkte ihrer Widerspruchsbegründung waren unter anderem das Risiko eines Grundwasserschadens, Beeinträchtigungen des Tourismus und der Landwirtschaft, Haftungsfragen, Verfahrensmängel sowie mögliche spätere Maßnahmen, die der Bohrung folgen könnten, nämlich die Erprobung des neuartigen Konzepts BioMOre, bei dem eine Erz-Lagerstätte zunächst mit Fracking aufgebrochen und dann mit einer von Bakterien erzeugten Lösung »ausgelaugt« werden soll. Diese Besorgnisse hatte die Initiative zuvor im letzten Monat bei einer öffentlichen Veranstaltung ins Feld geführt.

Die Behörde prüft nun, ob sie dem Widerspruch stattgeben muss.

Das Unternehmen KGHM Kupfer AG hat laut der Behörde bereits einen »Antrag auf sofortige Vollziehung« des zugelassenen Hauptbetriebsplans gestellt.

——————
Widerspruch der Bürgerinitiative gegen Rohstoffpiraterie v. 08.04.2015 gegen den Hauptbetriebsplan zur Aufsuchung für das Erlaubnisfeld Weißwasser II, geplante Erkundungsbohrung der KGHM Kupfer AG auf dem Flurstück 43 der Flur 4 der Gemarkung Deschka

Facebooktwittermailby feather

3 Gedanken zu „Bürgerinitiative erwirkt Stopp der Deschkaer Kupferbohrung“

  1. Der Artikel zeigt, dass die Bürger nicht zuschauen müssen. Jeder Einzelne kann helfen, die Natur zu schützen, da wo die Politik versagt und die Konzerne ihr Gehirn ausschalten, weil riesige Gewinne locken. Der Artikel macht Mut. Eingebettet in die Meldungen aus aller Welt, die zeigen: die Natur schlägt zurück, fordert er uns auf zu handeln. Stoppt diesen Wahnsinn. Es ist fünf vor zwölf!

  2. Ich habe 27 Jahre in Deschka gewohnt und finde es richtig, dass man die Bohrung stoppt.
    Die Erhaltung der Natur ist wichtiger, als diese angeblich wichtige Bohrung, die nicht gewährt, dass die Fauna und Flora erhalten bleibt.

  3. Kann mir mal jemand erklären, was so schrecklich sein soll an Kupferförderung ohne natur- und landschaftszerstörenden Bergbau? Hier wird ja selbst beschrieben, dass das geplante Verfahren BioMOre, bei dem Bakterien im Untergrund das Kupfer auslösen, in ähnlicher Form über Tage schon längst problemlos und erfolgeich im Einsatz ist (in Abraumhalden oder beim Recycling von Elektroschrott). Wie landschaftszerstörend eine Kupfermine andernorts aussieht, haben die Kritiker hoffentlich schon einmal gesehen? Was wäre so schlimm, wenn man bessere Fördermethoden erforscht? Ohne Kupfer geht es nun einmal nicht (wir lesen und schreiben diese Texte hier ja auch alle an Geräten, die ohne Kupfer nicht funktionieren würden). Ich sehe gerade aus der Sicht eines Naturschützers, dass das Verfahren BioMOre eine Verbesserung erzeugen könnte. Warum sollte keine Forschung dafür in Deutschland betrieben werden, solche bessere Verfahren zu entwickeln?

    Letztlich kommt die Ablehnung doch nur daher, weil hier wieder das gefürchtete Wort „Fracking“ mit auftaucht. Dass das aber gar nicht so gefährlich ist, weil es längst in Deutschland (vor allem in Niedersachsen) zur Erdgasförderung angewendet wird, scheint wohl keinem aufzufallen? Bisher ist dort noch kein Schaden dadurch zu verzeichnen gewesen, statt dessen hatte man bisher man einen ökonomischen Nutzen davon.

Kommentare sind geschlossen.