Erneut heftige Erdstöße im Erdgasfeld Rotenburg-Völkersen

Bei einem seismischen Ereignis in einem Erdgasfeld zerbrochene Fensterbank
Bei einem »seismischen Ereignis« in einem alten Bauernhaus in Langwedel zerbrochene Fensterbank
Am gestrigen Freitag, dem 22. April 2016, abends um Viertel vor Acht: Ein Grollen, ein Knall, dann wackelten ca. 2 Sekunden die Wände in Langwedel und im Umkreis von gut 20 Kilometern. Zahlreiche Schäden an Gebäuden meldeten Anwohner dem Erdbebendienst Juskis. Laut Bürgerinfo Seismisches Messsystem des WEG fand der Erdstoß um 17:45:17 Uhr UTC statt. Die Magnitude gab der WEG mit 3.3 an, korrigierte diese Angabe später auf 3.1, laut niedersächsischem Erdbebendienst bei nunmehr ML3.2 Das Epizentrum befand sich nach Angabe des WEG in unmittelbarer Nähe der Bohrungen Völkersen Nord Z1/Z5x. Laut NDR Info hält die zuständige Bergbehörde die Erdgasproduktion für die wahrscheinliche Ursache des Völkersener Bebens.

Fast zeitgleich registrierte das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) ein Beben der Magnitude 3.0 in 10 km Tiefe auf der anderen Seite der Weser, das Epizentrum dicht bei Blender. Dieses Beben datierte das GFZ auf 17:45:32 Uhr UTC.

Zwischen den beiden Aufzeichnungen lag demnach eine Viertelminute, zwischen den Epizentren ein Abstand von 7-8 km Abstand (Luftlinie). Ob es sich um dasselbe Beben handelte oder ob tatsächlich zwei Beben im Abstand von 15 Sekunden und örtlich nah beieinander stattgefunden haben, ist unklar – unter anderem, weil es noch keine Angabe über die Tiefe des Bebens bei Völkersen gibt.

Grafik Erdbebenaufkommen in Niedersachsen seit Mitte 2012.
Amtlich bekannt gemachte Erdbeben in Gasfeldern in Niedersachsen seit Mitte 2012: Die seismische Aktivität in der früher erdbebenfreien Region scheint zuzunehmen.
»Seismische Aktivitäten«, wie Erdbeben fein umschrieben werden, sind nichts Neues im Erdgasfeld Rotenburg-Völkersen. Am 28. Juni 2012 wurde Völkersen-Langwedel und umzu von einem Erdbeben der Stärke 2.8 auf der Richter-Skala geschüttelt. Am 22. Oktober November 2012 wackelte der Untergrund nicht nur unter dem Epizentrum in Langwedel-Schülingen in 1 km Entfernung vom Betriebsplatz Völkersen, unmittelbar an oder über zwei Horizontalbohrungen. Das Beben der Lokalmagnitude 2.0 verursachte 103 Meldungen über Bergschäden an umliegenden Gebäuden. Ein gutes Jahr später, am 1. November 2013 ein weiteres Beben in Langwedel, diesmal mit der amtlich festgestellten Stärke 1.9. Weiter ging es siebeneinhalb Monate später, am Johannistag 2014: Da registrierte die zuständige Bergbehörde LBEG »ein seismisches Ereignis der Magnitude 1.6«. Anderthalb Jahre darauf, am 7. Dezember 2015, fand hier das nächste Beben statt, diesmal wieder mit der Magnitude 1.9.

In diesem Jahr hat es in norddeutschen Erdgasfeldern bereits drei erhebliche Beben gegeben, deren Zusammenhang mit der Gasproduktion als wahrscheinlich angesehen wird: Am 14. Januar im Landkreis Oldenburg (Magnitude 2.7), am 18. Februar im Heidekreis bei Walsrode/Fulde (Lokalmagnitude 2.0) und nun gestern das 3er-Beben im Landkreis Verden im Gasfeld Rotenburg-Völkersen. Diese Entwicklung erinnert an die im Gasfeld Groningen, Niederlande, wo die Häufigkeit der Erdbeben durch die Ausförderung von Erdgas aus dem Untergrund derart zugenommen hat, dass Häuser unbewohnbar geworden sind und die Gasförderung mittlerweile gedrosselt beziehungsweise ganz eingestellt wurde.

Anlässlich des Erdbebens vom 22. April 2016 und der Fragen zum Umgang mit den daraus resultierenden Schäden lädt die Bürgerinitiative (BI) „No-Fracking“ aus Völkersen zu einer
Infoveranstaltung „Erdbeben vom 22.04.2016: Was ist im Schadensfall zu tun?“
mit Gerd Landzettel (Richter a.D.) und Gero Landzettel (RA)
am Montag, 9. Mai 2016, 19.30 Uhr, in Klenkes Gasthaus, Langwedel,
ein.

Letzte Aktualisierung: 26.4.16

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