Neuer Tagebau und weiterer Kohlemeiler bei Gubin geplant

Jetzt Einwendungen gegen polnischen Tagebau und KoKW Gubin einreichen!

Blick über den Tagebau Nochten zum KoKW Boxberg (1900 MW). / Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0
Blick über den Tagebau Nochten zum KoKW Boxberg (2575 MW). /
Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0

Als fände der Klimawandel nicht längst statt, als gehörte die Braunkohle nicht zu Atom, Öl und Gas ins Schandkästchen der peinlichen Fehler der Zivilisation: Der polnische Konzern PGE plant, bei Gubin, nahe der Grenze zu Deutschland, einen neuen Braunkohle-Tagebau zu eröffnen und ein riesiges Kohlekraftwerk zu bauen. In der jetzt laufenden, grenzübergreifenden Umweltverträglichkeitsstudie hat die Öffentlichkeit Gelegenheit zur Stellungnahme.

17 Millionen Tonnen Kohle jährlich soll der Tagebau 49 Jahre lang fördern. Die soll dann in dem neu zu errichtenden Kraftwerk verbrannt werden. Mit 2.700 Megawatt Leistung wäre das Kraftwerk nur wenig kleiner als die Super-Klimakiller in Niederaußem oder Jänschwalde. Das geht aus den Plan-Unterlagen hervor.

Karte der Tagebaue im Braunkohle-Revier Ost (Grafik: Umweltgruppe Cottbus)
Karte der Tagebaue im Braunkohle-Revier Ost (Grafik: Umweltgruppe Cottbus)
Die betroffenen Gemeinden in Polen hatten sich per Bürgerentscheid gegen den Tagebau ausgesprochen, berichtet die Umweltgruppe Cottbus. Unternehmen und Regierung wollen das offenbar nicht akzeptieren und halten an ihrer Planung fest. Den Dörfern, die auf deutscher Seite vom Tagebau Jänschwalde betroffen oder von Jänschwalde-Nord bedroht sind, läge der polnische Tagebau gegenüber in Sichtweite. Die Bürgerinitiativen auf beiden Seiten der Neiße kämpfen seit Jahren gemeinsam gegen neue Tagebaue in Deutschland wie in Polen.

Die Umweltgruppe Cottbus e.V. hat einen zweiseitigen Musterbrief entworfen, den jeder für seine Einwendung nutzen kann. Einwendungen müssen, um berücksichtigt zu werden, die Genehmigungsbehörde bis spätestens 12. Januar 2016 erreicht haben. »Wir sammeln die Einwendungen bei uns und geben sie im Januar persönlich bei der polnischen Behörde ab. Ausgefüllte und unterschriebene Briefe können mit der Post bis zum 8. Januar an uns geschickt oder beim Sternmarsch am 3. Januar an unserem Infostand abgegeben werden. Beides spart im Vergleich zu einem Brief nach Polen nicht nur Porto, wir haben dann außerdem einen Überblick, wie viele Bürger sich mindestens beteiligt haben«, erklärt René Schuster von der Umweltgruppe.

Der traditionelle Sternmarsch am 3. Januar 2016 findet unter dem Motto »Tagebaue Jänschwalde-Nord und Gubin-Brody endlich stoppen!« statt. Hierzu laden die Ortsbürgermeister der vom geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dörfer Grabko, Kerkwitz und Atterwasch ein.

»Wir fordern das sofortige Ende der Planungen eines Tagebaues Jänschwalde-Nord und zeigen zugleich unsere Solidarität mit den Protesten gegen einen Großtagebau im benachbarten polnischen Gubin«, sagt der Autor und Braunkohlegegner Christian Huschga aus Atterwasch. Zum Sternmarsch werden selbstverständlich auch Gäste aus den benachbarten polnischen Orten erwartet.

Die Teilnehmer treffen sich wie in den vergangenen Jahren um 13:00 Uhr in Grabko, 13:15 Uhr in Atterwasch oder 13:30 Uhr in Kerkwitz. Gegen 14:00 Uhr kommen die drei Züge am »Alten Schafstall« zusammen, einer Wiese zwischen den drei Orten. Für das leibliche Wohl der Teilnehmer ist gesorgt.

Veranstalter des Sternmarsches ist der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Agenda21 der Gemeinde Schenkendöbern. Er findet regelmäßig am ersten Sonntag des Jahres statt, seit Vattenfall und Landesregierung im Herbst 2007 gemeinsam die Absicht verkündet haben, Grabko, Kerkwitz und Atterwasch umzusiedeln. Der Sternmarsch entwickelte sich in dieser Zeit zu einem festen Treffpunkt der Bürger, vor allem aus der Stadt Guben und den umliegenden Dörfern. Eingeladen sind jedoch alle, die neue Tagebaue in der Lausitz und anderswo ablehnen.

Damit wird der Protest gegen bestehende und geplante Braunkohleausbeutung nicht enden. Auch im weiteren Verlauf des Jahres 2016 sind bereits Protestaktionen angekündigt, wie zum Beispiel demonstrativer Widerstand in der Lausitz zu Pfingsten.

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