Gesundheitsschäden durch Fracking: Behörde kehrt Evidenz unter den Teppich

Schockierende Unterlagen beweisen: Meldungen über Gesundheitsbeschwerden durch Fracking in Pennsylvania unter den Teppich gekehrt

Von Wenonah Haunter, EcoWatch
Reposted with permission from EcoWatch

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Food&Water Watch hatte im Wege eines Antrags auf Akteneinsicht Dokumente erhalten, die eine erschreckende Ignoranz und Unfähigkeit der Gesundheitsbehörde von Pennsylvania beweisen, angemessen mit der großen Anzahl von Meldungen der Einwohner umzugehen, in denen diese frackingbezogene Gesundheitsbeschwerden berichteten. Foto: Ruhrfisch/wikimedia

Das schwer gefrackte Pennsylvania ist ein Schlachtfeld, wenn es darum geht, Familien zu schützen, die von der toxischen Fördermethode betroffen sind. Letzte Woche erhielten wir – nach monatelangen Anstrengungen – vom Staat über 100 Seiten an Dokumenten, die Food & Water Watch mit einem Antrag auf Akteneinsicht angefordert hatte. Und was wir erhielten, war schockierend. Die Dokumente zeigen unmissverständlich eine alarmierende Ignoranz und Unfähigkeit der Gesundheitsbehörde von Pennsylvania (Pennsylvania Department of Health (DOH)), angemessen mit der großen Anzahl von Meldungen der Einwohner umzugehen, in denen diese frackingbezogene Gesundheitsbeschwerden berichteten.

Dies trat erstmals vor gut einem Jahr zu Tage, als ein Bericht offenlegte, dass den Behördenmitarbeitern verboten worden war, auf frackingbezogene Beschwerden zu antworten. Zwei ehemaligen Behördenmitarbeitern zufolge hatte die DOH Regeln installiert, um die Mitarbeiter im Außeneinsatz daran zu hindern, auf Beschwerden von Anwohnern bezüglich der Erdgasförderung und frackingbezogener Gesundheitsproblemen einzugehen. Die Mitarbeiter hätten spezielle Anordnungen erhalten, um sich gar nicht erst auf Anwohner einzulassen, die wegen Gesundheitsproblemen anriefen und dabei bestimmte Schlüsselwörter benutzten, so die beiden ex-Mitarbeiter der DOH. Einer der beiden stellte fest: »Es war uns strikt verboten, mit ihnen zu sprechen.« Der andere gab an, dass seine Abteilung »in keiner anderen Sache, die ich mir vorstellen kann, jemals angewiesen war zu schweigen«.

Danach, im Juli 2014, stellte Food&Water Watch einen Antrag auf Akteneinsicht in jene Unterlagen bei der DOH von Pennsylvania, die die von den Anwohnern angezeigten Gesundheitsprobleme und die Antworten der Behörde darauf dokumentierten. Aber die DOH wollte diese Akten nicht herausgeben und leistete dem Antrag erst Folge, als der Informationsfreiheitsbeauftragte mit einem Verfahren drohte.

Zwischen dem 30. März 2011 und dem 6. April 2015 dokumentierte die DOH insgesamt 87 Beschwerden von besorgten Anwohner, Ärzten, staatlichen Stellen und Agenturen im Auftrag von Anwohnern. Atemwegserkrankungen, Asthma, Rachen- und Nasenreizungen waren die häufigst genannten Probleme, gefolgt von gesundheitsschädlichen Gerüchen, Hautirritationen, Magen-Darm-Beschwerden und Lärmbelästigung. Anwohner hatten auch Krebserkrankungen und extremen Haarausfall beklagt. Es hatten sogar Ärzte angerufen, die »bei den Anwohnern ungewöhnlich häufige und schwerwiegende Hautschäden und -ausschläge« beobachtet hatten.

Die berichteten Gesundheitsschäden stimmen mit denen überein, die in der wissenschaftlichen Literatur als mögliche Auswirkungen von Fracking-Maßnahmen beschrieben wurden. Chemikalien, die bei Fracking zum Einsatz kommen, können Auswirkungen auf die Haut, die Augen, die Atemwege, das Immunsystem, das endokrine und das Herz-Kreislauf-System haben und Krebs erzeugen.

Wir haben fast ein Jahr lang mit mehreren Behörden darum gekämpft, Einsicht in diese Dokumente nehmen zu können. Jetzt wissen wir, warum. Die krasse Verantwortungslosigkeit der DOH, die versagt hat, auf die ernsten Erkrankungen der Anwohner zu reagieren, deren gesundheitliche Unversehrtheit sie zu überwachen hat, muss offengelegt und hinterfragt werden. Wir werden weiterhin alle Instrumente, die unser Rechtssystem zur Verfügung stellt, und das Graswurzel-Netzwerk einsetzen, um Tatsachen aufzudecken und Rechenschaft einzufordern.

Gouverneur Wolf muss die »häusliche Gewalt«, die die Öl- und Gasindustrie hier ausübt, aufbrechen und sofort jegliches weitere Fracking im Staat untersagen.

Originaltitel
Shocking Documents Reveal Fracking Health Complaints Swept Under the Rug in Pennsylvania
Wenonah Hauter, EcoWatch http://ecowatch.com/ | June 30, 2015 8:45 am
Übersetzt von Carin Schomann

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