Passive Luftsammler weisen gefährliche PAK-Werte an Erdgasbohrungen nach [Update]

PAK-Werte an Erdgasbohrungen
PAK-Werte an Erdgasbohrungen können gesundheitsschädliche Werte erreichen.
Eine eben publizierte Studie[1] berichtet von teilweise gefährlichen Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) in der Luft in der Nähe von aktiven Erdgasbohrungen. Die Werte, die das multidisziplinäre Forscherteam aus Oregon und Ohio in Carroll County, Ohio, mit passiven Luftsammlern in unterschiedlichen Entfernungen zu aktiven Erdgasbohrungen ermittelte, lagen zum Teil deutlich über der Krebsrisiko-Schwelle, die von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA als noch akzeptabel angesehen wird. Aktive Erdgasbohrungen stehen damit im Verdacht, signifikant zu PAKs in der Atemluft beizutragen, in Konzentrationen, die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben können.

Die Erdgasförderung in den USA – oft auch als »Fracking« bezeichnet – hat sich in den letzten Jahren rasant ausgebreitet. Um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit zu erforschen, wurden passive Luftsammler in eine stark von der Erdgasförderung betroffene, ländliche Gegend in Ohio platziert. Die Sammler wurden auf 62 verschiedene PAKs analysiert.

Die Ergebnisse wurden entsprechend der Standorte der Sammler zusammengefasst in die Gruppen »nah« (bis zu 160 Meter Abstand von der Bohrung), »mittel« (160 bis 1600 Meter) und »fern« (mehr als 1600 Meter). Die PAK-Werte waren in der Gruppe »nah« am höchsten. In dieser Gruppe lagen die PAK-Werte zehnmal höher als die Werte, die zuvor für ländliche Gegenden berichtet worden waren.

In den deutschen Erdgasfördergebieten ist bislang kein systematisches Luftmonitoring bekannt, weder an Förderbohrungen noch an Verpressbohrungen, in die produzierte Wässer aus der Förderung mit Restanteilen von Kohlenwasserstoffen entsorgt werden.

Der vorige Hamburger Senat hatte das nicht vorhandene Luftmonitoring 2014 damit begründet, dass dieses nicht vom Gesetz verlangt würde.

Im östlichen Landkreis Rotenburg an der Wümme wurde 2014 in einem Ballungsgebiet von Erdgasbohrungen ein Krebs-Cluster entdeckt, der im Verdacht steht, durch Kohlenwasserstoffe in der Luft mitverursacht zu sein.

Eine gesetzliche Vorschrift für ein Luftmonitoring an jeglichen Erdgas oder Erdöl produzierenden oder verarbeitenden Anlagen ist im »Hochtechnologieland« Deutschland, das stolz ist auf seine Ingenieurskunst, nicht in Sicht.

Update
Wegen mehrerer Rechenfehler haben die Autoren ihre Veröffentlichung zurückgezogen und am 11. Juli 2016 korrigiert neu veröffentlicht. Die Neuberechnung der Messergebnisse ergab demnach kein Krebsrisiko durch luftgetragene PAKs aus der Erdgas-Produktion, das über dem »akzeptierten Wert« der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA lag. Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass mit der angewandten Messmethode mittels passiven Luftsammlern nur leichte, aber keine schwereren PAKs erfasst werden können und das Studienergebnis entsprechend interpretiert werden müsse.

[1] L. Blair Paulik, Carey E. Donald, Brian W. Smith, Lane G. Tidwell, Kevin A. Hobbie, Laurel Kincl, Erin N. Haynes, and Kim A. Anderson
Impact of Natural Gas Extraction on PAH Levels in Ambient Air
Environ. Sci. Technol. 2015, 49, 5203−5210

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