Grundwasserschäden durch Fracking sind immer zu besorgen

Modell mehrerer Grundwasserleiter
Die Wege des Grundwassers sind vielfältig und wenig verstanden
Eine weitere Untersuchung der Grundwasserqualität in Fracking-Gebieten ist diese Woche erschienen.1 Das Forscherteam von Kevin A. Schug von der University of Texas Arlington entnahm 550 Grundwasserproben aus Brunnen in 90 bis 47.220 Metern Entfernung von Frack-Bohrungen der Barnett-Lagerstätte in Texas, USA. Die Analysen der Proben ergaben teilweise erhöhte Konzentrationen von umweltgefährlichen und gesundheitsschädlichen Stoffen, die ihren Ursprung in den Frack-Maßnahmen haben können – darunter Krebs und andere schwere Krankheiten erzeugende Stoffe.

Auch wenn die Studie keinen kausalen Zusammenhang zwischen Fracking und diesen Ergebnissen nachweist – das war nicht ihr Ziel -, schreien die gefundenen Tatsachen geradezu nach einem engmaschigen Grundwasser-Monitoring und -Analysen auf Stoffe, die bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdöl und Erdgas eingesetzt werden und die Umwelt und die Gesundheit schädigen. Offensichtlich ist eine Beeinträchtigung der Gewässer ausnahmslos zu besorgen.

In Deutschland, wo gebietsweise häufig und mit sehr gefährlichen Chemikalien gefrackt worden ist, herrscht dazu großer Nachholbedarf, denn derartige Untersuchungen haben regelmäßig noch nicht stattgefunden. Der aktuelle Gesetzgebungsprozess, mit dem Fracking in Tight-Lagerstätten ausdrücklich erlaubt und Fracking in Ton- und Mergelgestein sowie in Kohleflözen ermöglicht werden sollen, trägt dieser ausnahmlosen Besorgnis nicht ausreichend Rechnung.
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Neues aus dem Erzland: »Tag des offenen Bohrlochs«

Wasser zapfen für die Deschkaer Bohrung
Wasser zapfen für den Bohrplatz bei Deschka
Das Niederbringen der Kupfer-Erkundungsbohrung bei Deschka (Landkreis Görlitz) hat begonnen. Laut einem MDR-Bericht sind die Bohrarbeiten am 12.6.15 losgegangen, laut der Unternehmerin Dr. Jolanta Dmowska (KGHM) soll gestern eine Teufe von 125 Metern erreicht worden sein. Ob die Bohrung wie geplant in rund 700 Metern Teufe kupfer- und vielleicht auch silberfündig wird oder nicht: Entsprechend der Betriebsplanzulassung soll sie im Sommer wieder verfüllt werden. Dmowska bemüht sich, jeglichen Verdacht aus der Welt zu halten, dass diese Bohrung etwas mit dem in dieser Gegend angedachten HORIZON-2020-Projekt »BioMOre« zu tun haben könnte. Kritiker einer möglichen zukünftigen Kupfergewinnung in dieser von Naturschutz und Tourismus geprägten Region nehmen ihr das nicht ab. Die Landesregierung indes hält sich bedeckt und gibt sich darüber hinaus unzuständig für das Europa-gesponsorte BioMOre-Experiment auf ihrem Hoheitsgebiet.
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Die Gasindustrie streckt die Finger nach der Schorfheide aus

400 Jahre alter Waldweg durch die Schorfheide
400 Jahre alter Waldweg durch die Schorfheide (Foto: Ralf Roletschek/wikimedia)
Ein herrliches Stück Natur, wasser- und waldreich: Die Schorfheide nördlich von Berlin. Hier jagten schon Kaiser Wilhelm II., Hermann Göhring und Erich Honnecker – jetzt wollen Gasbohrer in der Schorfheide nach Erdgas jagen. Das niederländische Unternehmens Jasper Resources BV hat einen Antrag zur »Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen nebst den bei ihrer Gewinnung anfallenden Gasen« im Feld »Zehdenick Nord« beim zuständigen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) gestellt.
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Gefährliche Chemikalien beim Fracking: 2. Nicht zugelassene Biozide

GHS-Symbole Gesundheits-/Umweltgefahr
Frack-Flüssigkeiten im Gasfeld Söhlingen enthielten bisher häufig wasser- und/oder gesundheitsgefährliche Wirkstoffe
Bisherige Frack-Flüssigkeiten, die im tiefen Sandstein im Gasfeld Söhlingen eingesetzt wurden, enthielten Stoffe mit biozider (»Leben abtötender«) Wirkung, deren Einsatz beim Fracking chemikalienrechtlich nicht zugelassen ist. Diese Stoffe weisen teilweise auch für Menschen sehr giftige Eigenschaften auf: Einige können Krebs erregen, andere das Erbgut verändern oder die Fruchtbarkeit bzw. den Embryo schädigen. Dieses sog. »konventionelle Fracking« im tiefen Sandstein Niedersachsens soll sich angeblich schon jahrzehntelang bewährt haben und sicher sein – eine fragwürdige Behauptung, weil bislang nicht hingeschaut wurde, welche Umwelt- und Gesundheitsgefahren tatsächlich von ihm ausgehen.
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Gefährliche Chemikalien beim Fracking: 1. Diesel

Warnhinweis Diesel
Diesel ist gesundheits- und wasserschädlich.
Nach dem »Einsatz von Diesel als Zusatzstoff bei Frackbohrungen« in einem konkreten Fall in der Vergangenheit hatten sich die Grünen Landtagsabgeordneten Elke Twesten und Volker Bajus bei der niedersächsischen Landesregierung erkundigt. Das Risiko einer unkontrollierten Freisetzung des verwendeten Diesels verbunden mit einer Gefährdung von Grund- und Trinkwasser sei »vom damaligen Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld, Außenstelle Celle, als gering und das Vorhaben insgesamt als zulassungsfähig beurteilt« worden, teilte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) in seiner Antwort mit (Nds. LT Drs. 17/3569).
Ob das Celler Bergamt sich auch der erheblichen Gesundheitsgefahren durch Diesel in der Umwelt bewusst war, als es das Vorhaben zuließ?
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Kohleatlas veröffentlicht: Wie wir unser Klima verheizen

teaser vö kohleatlasWussten Sie, dass Deutschland – immer noch – der weltgrößte Braunkohleproduzent ist? Dass die 30 größten deutschen Kohlekraftwerke ein sattes Viertel der deutschen Treibhausgase ausstoßen? Dass in der EU jährlich rund 18 Tausend Menschen an den Folgen der Verbrennung von Kohle sterben? Dass Die Kohleindustrie durch Steuergelder ihre Preise senkt – aber nicht für die Kosten von Klimawandel und Erkrankungen aufkommt?

All das und noch viele weitere wissenswerte – gruselige – Fakten über Kohle als Brennstoff stellt der erste Kohleatlas dar, den die Heinrich-Böll-Stiftung und der BUND Friends of the Earth Germany jetzt veröffentlicht haben. Was wie ein Anachronismus wirkt in einer Zeit, in der die bevorstehende Klimakatastrophe schon sichtbar am Horizont steht, ist bittere Wahrheit: Wir verheizen unser Klima, als solle es kein Morgen geben.

Der Kohleatlas kann kostenlos studiert werden: Download now!

Hofgeismarer Erklärung: Kali-Bergbau muss heutigem Stand der Technik genügen

Ideale Arbeitsbedingungen im Salz unter Tage zeigt das Deutsche Museum in München (Foto: High Contrast/wikimedia)
Ideale Arbeitsbedingungen im Salz unter Tage zeigt das Deutsche Museum in München (Foto: High Contrast/wikimedia)
Die Kali-Produktion im thüringisch-hessischen Revier stellt nach wie vor eine große Umweltbelastung dar, weil sie nicht nach dem Stand der Technik verfährt. Doch nach dem erklärten Willen der grünen Umweltministerin Hinz und des Bergbau-Unternehmens K+S soll sich daran so schnell auch noch nichts ändern. Salzige Abwässer aus Produktion und von den Rückstandshalden sollen weiter in den Untergrund und in die Flüsse geleitet werden dürfen – und nachweislich Schäden am nutzbaren Grundwasser und den Flussbiotopen anrichten. Salzhalden sollen stehen bleiben und eventuell erweitert werden dürfen und so weiteres wertvolles Ackerland vernichten. So bedroht die Kali-Industrie auch Arbeitsplätze.

Zur Beendigung dieses nicht hinnehmbaren Zustandes haben gestern die Werra-Weser-Anrainerkonferenz, das Aktionsbündnis salzfreies Märchenland und die hessische Die LINKE. mit der Hofgeismarer Erklärung aufgerufen. Nach dem heutigen Stand der Technik sei ein versatzloser Kali-Bergbau möglich, der darüber hinaus die Lagerstätten vollständiger ausnutzt und bei dem alle Wertstoffe bestmöglich extrahiert und nicht teilweise als Abfall entsorgt werden. Mit der Erklärung wird die hessische Landesregierung unter anderem aufgefordert, »die Versenkung von Salzabwasser sofort zu beenden«, auf die Einhaltung der Wassergesetze zu achten und dem Unternehmen K+S dieselben Pflichten zum Umwelt- und Gewässerschutz aufzuerlegen, wie sie auch für andere gelten.

K+S droht mit neuer Salzhalde

Kali-Halde in Giesen
Alte Kali-Halde in Giesen. Jetzt soll eine zweite, noch viel größere hinzukommen. (Foto: Christoph73/wikimedia
In Niedersachsen soll eine alte Kaligrube reaktiviert werden: Wie verhält sich Rot-Grün dazu?

Im Landkreis Hildesheim ist eine weitere riesige Halde mit Rückständen aus dem Kalibergbau geplant. Der K+S-Konzern will der Allgemeinheit neue Ewigkeitslasten aufbürden, sagen die Kritiker.

Das Planfeststellungsverfahren zur Wiederinbetriebnahme des Kali-Bergwerks Siegfried-Giesen im niedersächsischen Landkreis Hildesheim durch das Bergbauunternehmen Kali + Salz (K+S) läuft. Teil des Plans ist die Errichtung einer weiteren Salzhalde. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) scheint sie für notwendig zu halten, sein Kollege im Umweltministerium, Stefan Wenzel von den Grünen, will sie wegen zu erwartender Beeinträchtigungen der Umwelt verhindern.
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COP21: Macht Frankreich den Bock zum Gärtner?

Marder- und Katzenspuren im ausgedörrten Gerste-Feld.
Marder- und Katzenspuren im ausgedörrten Gerste-Feld: Zu trockene Sommer, zu nasse Winter – auch in Deutschland manifestiert sich der Klimawandel unübersehbar.
Wie ernst ist es Frankreich mit dem Ausbremsen des Klimawandels? Das Gastgeberland der nächsten Weltklimakonferenz lasse das Event von Unternehmen sponsorn, die alles andere als klimafreundlich wirtschaften, kritisiert Corporate Europe Observatory (CEO), eine europäische Nicht-Regierungsorganisation (NGO), die sich damit den NGOs Friends of the Earth Europe (FoEE), ATTAC France, WECF und 350.org anschließt.
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Erdbeben bei Emstek »sehr wahrscheinlich« durch die Erdgasförderung verursacht

Bei einem seismischen Ereignis in einem Erdgasfeld zerbrochene Fensterbank
Bei einem seismischen Ereignis in einem Erdgasfeld zerbrochene Fensterbank (Symbolfoto)
Als sich kurz nach Mitternacht am 2. September 2014 bei Emstek, östlich von Cloppenburg, im Erdgasfeld Goldenstedt/Visbek, ein Erdbeben der Stärke 2.8 ereignet hatte, sah der niedersächsische Erdbebendienst im LBEG recht schnell die Erdgasförderung in dem Bereich als wahrscheinliche Ursache an. Der Verdacht erhärtete sich, als die Erde etwa an derselben Stelle am 19.12.2014 erneut bebte, diesmal mit einer Stärke von 3.1. Die Vermutungen sind jetzt durch eine Studie des Erdbebendienstes zusammen mit der BGR bestätigt worden. »Als Fazit der Studie stufen Seismologen des LBEG und der BGR einen Zusammenhang zwischen dem Erdbeben und der Erdgasförderung als sehr wahrscheinlich ein.«, wie das LBEG heute mitteilte. [Kurzfassung der Studie, 24 Seiten]
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Zu Tage Gefördertes aus dem Untergrund, den Behörden und der Politik